Sander Spieler verhindern Randale nach dem Derby

FCS hadert nach drei Platzverweisen mit dem Schiedsrichter


FT Schweinfurt - 1. FC Sand 2:1 (1:1)


Landesliga Nord

Nach drei Platzverweisen und dem mit 1:2 verlorenen Derby bei der FT Schweinfurt brannten bei einigen Sander Anhängern die Sicherungen durch. Sie mussten von Sander Spielern vor Schlimmeren bewahrt werden.

Sebastian Schwab hatte reichlich zu tun an diesem Derby-Nachmittag. Nicht nur, dass der Abwehrspieler schon in der 7. Minute für Bernd Pankratz eingewechselt wurde. Pankratz, der durch zwei Schweinfurter durch wollte, hatte dabei einen Ellenbogen so heftig auf die Nase bekommen, dass sogar der Notarzt kommen musste, das zerschmetterte Riechorgan richten. Referee Christian Stöhr (Lauf) hatte weiter laufen lassen - die Meinungen reichten von "Zweikampf, wie er immer mal passiert" bis hin zu "klarer Tätlichkeit" - eine strittige Szene.

Auf jeden Fall war es der Anfang eines deutlich gestörten Verhältnisses zwischen Sander Akteuren, Offiziellen und Anhängern und eben dem Schiedsrichter. Zwei Gegentore und drei Platzverweise später - nach Spielschluss - wäre dies fast eskaliert, wollten Sander Fans dem Unparteiischen an den Kragen. Hätten nicht Schwab und ein, zwei weitere Vernünftige beherzt mit aller Kraft zugegriffen und einen besonders fanatischen Fan zurück gerissen, Stöhr wäre vermutlich nicht ohne Prügel in die Kabine gekommen.

Irgendwie hatte sich das was hoch geschaukelt, in einem an und für sich fairen Derby auf der Maibacher Höh`. Und das, obwohl der FC Sand das von Trainer Erwin Albert geforderte frühe Tor erzielt hatte: Unter gütiger Mithilfe von FTS-Keeper Dominik Biemer, der bei einem Freistoß von Dominik Waltrapp zu weit vor seinem Kasten gestanden war und den Ball durch die Finger gleiten ließ (6.). Gut 20 starke weitere Minuten der "Korbmacher" folgten dann, in denen die Gäste die Schockstarre der FTS nach der frühen kalten Dusche aber nicht nutzen konnten.

So kamen die Turner letztlich besser ins Spiel, übernahmen allmählich das Kommando und erzielten auch den zu diesem Zeitpunkt verdienten Ausgleich. Anthony Brinkley hatte die Eckenfavriante gewählt, die im Hockey gerne bei "Strafecken" angewandt wird, sprich das Leder flach an den 16-Meter-Raum gespielt, von wo Michael Mantel die Kugel mit einem schönen Volleyschuss versenkte (39.) "Wir haben regelrecht um den Ausgleich gebettelt", gab Albert zu. Vielleicht meinte er auch deshalb: "Wir wollen nicht alles auf den Schiedsrichter schieben." Denn Stöhr hatte zwar bis dahin in Zweifelsfällen nicht unbedingt für Sand gepfiffen, aber auch keine gravierenden Fehler gemacht.

Doch beim Sander Anhang war der "schwarze Mann" von Beginn an der "Buhmann", vielleicht in Erinnerung an die Partie in Rimpar, wo Stöhr den bis dahin einzigen Platzverweis in dieser Saison gegen einen Sander verhängt hatte - und das unberechtigt, wie Fernsehbilder später bewiesen.

Und irgendwie: Je lauter die Schmährufe und Beleidigungen der "Ostkurvenfans" in Richtung Referee wurden, umso weniger Spielraum ließ Stöhr dem FCS. Wobei die erste Gelb-Rote Karte gegen Stefan Nöthling, der FTS-Kapitän Tony Stenzinger rüde foulte, berechtigt war (55.). "Das war eine klare Sache, da darf ich nicht so rein grätschen", gab auch Sands Coach zu.

Ebenso eindeutig war die Hinausstellung von Bernd Hoff, der mit gestrecktem Bein von hinten in Stenzingers Bruder Henry rein gesprungen war (79.), ein wirklich übles Frustfoul, nachdem Ercan Öztürk kurz zuvor mit einem platzierten Flachschuss die Turner in Führung geschossen hatte (75.).

Gegenstand der meisten Diskussionen aber war die Ampelkarte gegen Simon Häcker, die für Trainer Albert "die spielentscheidende Situation" war. Der junge Stürmer hatte kurz zuvor eine sicher überzogene gelbe Karte gesehen und war dann im Strafraum nach einem Zweikampf mit Schweinfurts Dominik Ebert gefallen. "Ich wäre nicht überrascht gewesen, wenn es Elfmeter gegeben hätte", gab da auch FTS-Coach Ernst Gehling zu. Doch Stöhr zeigte zur Überraschung selbst Schweinfurter Zuschauer Häcker wegen einer Schwalbe die zweite gelbe Karte (62.).

Statt Elfmeter und möglicherweise Sander Führung ging es also weiter mit 1:1 und nur noch neun FC-Feldspielern. Die Partie war damit quasi entschieden, auch wenn die Turner nur einen einzigen Angriff - den zum 2:1 - wirklich überlegt zu Ende spielten und so die Entscheidung leichtfertig vergaben. Denn in den Schlussminuten drückten die Sander mit dann nur acht Kickern und einem mit stürmenden Torwart Matthias Oppermann sogar noch auf den Ausgleich.

"Wir müssen aufpassen, dass wir jetzt nicht ins Mittelfeld durchgereicht werden", sagte ein bitter enttäuschter Erwin Albert nach dem Schlusspfiff. Klar, dass der Sander Coach dem Unparteiischen ebenfalls große Vorwürfe machte - sicher nicht ganz zu unrecht. Die Schweinfurter dagegen schafften dank des Derby-Dreiers erst einmal den Anschluss ans untere Mittelfeld. "Wir haben den Sieg mit fairen und sauberen Mitteln errungen", betonte Gehling ausdrücklich.


Statistik des Spiels


FT Schweinfurt: Biemer - Rothenanger (ab 73. M. Hartmann), Ebert, T. Stenzinger - Öztürk, Riegel Mantel, H. Stenzinger, Stöth (ab 90. + 1 Voll) - Haub, Brinkley (ab 86. Freund). Sand: Oppermann - Rinbergas - Strätz, Pankratz (ab 7. Schwab) - Nöthling, B. Hoff, Mahler, Thomann (ab 66. Klauer), Waltrapp (ab 75. S.Krines) - Benkert, Häcker. Tore: 0:1 (6.) Waltrapp, 1:1 (39.) Mantel, 2:1 (75.) Öztürk. Gelb-Rote Karte: Nöthling (55.), Häcker (62. beide Sand). Rote Karte: B. Hoff (grobes Foulspiel/79., Sand). Schiedsrichter: Stöhr (Lauf). Zuschauer: 450.

 

Quelle:  http://www.hassfurter-tagblatt.de

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